Klaus Schweier
Traum, Zeit und Ewigkeit, das sind, in Abwandlung der bekannten physikalischen Größen, die allzu menschlichen Bezugssysteme, in denen Klaus Schweier die großen Themen der Menschheitsgeschichte findet und neu interpretiert. Der Traum vom Fliegen, der Schöpfungsmythos, das Werden und Vergehen, der Mensch als Jäger und Gejagter, als anthropomorphes oder als göttlich inspiriertes Wesen erscheinen in seinen Bildern in so offenen wie assoziationsreichen Erzählungen. Dabei geht er formal ganz neue Wege: Er hat Techniken im Bereich der Malerei, Zeichnung und Radierung entwickelt, die es ihm erlauben, auch mit anderen Bildträgern als der Leinwand zu arbeiten, sich mit Hinterglasmalerei und Spiegelätzung beschäftigt und Colanyl-Farben verarbeitet, die je nach Wasseranteil den Charakter von Ölfarben, Tempera oder Aquarell annehmen können. Schweier malt wie ein Hexenmeister. Im sukzessiven Prozess der Bildentstehung verwendet er auch Materialien wie Teer, Kreide und Lack. Und zu all dem kommen Stoffe, die sich nicht einfach miteinander verbinden lassen, etwa Spiritus, Terpentin und Schellack.
Schon in seinen frühen Arbeiten hat er innovative Techniken genutzt, um uralte archaische Formen und Zeichen in einen gegenwärtigen Kontext zu bringen. Inzwischen hat er die Methodik perfektioniert und ein kleines Universum geschaffen, das von den Masken des Daseins erzählt, von Mythen und Legenden, von Menschen im Urzustand und in einer fröhlichen Liaison mit Tieren, mit Hunden, Hirschen, Vögeln, Fischschwärmen, aber auch Pflanzen, Blumen und Sternen. Dabei geht es immer um das Ganze, um die großen Antipoden des Daseins, um Leben und Tod, Himmel und Hölle, Angst und Glück.
Klaus Schweier, geb. 1956 in Heidenheim, studierte von 1977 bis 1983 an der HdK Berlin bei Professor Bergmann. Nach einem Studienaufenthalt in Paris, unterrichtete er von 1992 bis 1994 an der Hochschule der Künste und lebt seitdem als freier Künstler in Berlin. Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt.
Das kleine Universum
"von Angesicht zu Angesicht I", Mischtechnik auf Bütten, 56 x 56 cm, 2010
"von Angesicht zu Angesicht II", Mischtechnik auf Bütten, 56 x 56 cm, 2010
"von Angesicht zu Angesicht III", Mischtechnik auf Bütten, 56 x 56 cm, 2010
"von Angesicht zu Angesicht IV", Mischtechnik auf Bütten, 56 x 56 cm, 2010