Dorothee Bachem

Meine Bilder entstehen im Augenblick von Falken mit der Zähigkeit von tausend Schnecken und das jahrelang ganz schnell, sie suchen sich ihre Farben und verhandeln über Formen. Sie bestimmen selber über sich, bis ich sie zu sich bringe und sie mich zu mir bringen oder vice versa. Manche bringen mich oder sich oder uns zusammen weit weg bis zum gestirnten Himmel in mir und zack zurück, wo ich ganz vage weit weg das Gesetz erkenne und Falken und Schnecken und Rotkäppchens kleine rote Mütze....
In diesem Trubel entstehen:
der Sonnenuntergang am Meer, alle Regenbogen, der Tod im Visier, rauhes Gelb, sehr weisses Weiss, - ein Blick, der schon zu früh zu lächeln versucht - ein Stück Schwarz, das glatt sein will - tausende von Rapsfeldern, die ich gut und elegant erlege - sehen Sie hier ein Rapsfeld?
Oh, ein Ritter! Zu früh. Es ist in dieser Fase besser, wenn sich niemand zu deutlich zeigt und beim malen stört. Aus Mitleid hat so manche Form ein Bild lange aufgehalten. Weiter! Ein Engel? Darf bleiben, Engel tun den Bildern gut. Eine sehr lange rote Schwammspur. Noch eine. Alle Bilder wollen eine. Das automatische Kreuz. Das Haus vom Nikolaus. Symbole, die sich noch gar nicht kennen! Der Mond. Die erste Raute.
Abschleifen im Waschbecken, was den Sonnenuntergang betrifft. Einmal drehen. Im Spiegel verrät alles seine Schwächen und ich meine Stärke. Ich habe Waffen. Ich habe Heilmittel.
Die Farben versuchen, mich zu erpressen ?
Ich habe Schleifpapier. Wer malt hier eigentlich ?
Dann ist es Nacht. Das Licht geht aus und manches leuchtet nach.
Und am nächsten Tag, am Morgen vielleicht, sehe ich die Bilder an, wie sie da an der Wand stehen, zwanzig, dreissig - manche hab ich nie gemalt, andere erkenne ich wieder, hie und da die Andeutung eines zu erwartenden Lächelns, erschöpfte Städte, etwas unmotivierter Prunk, Blumen, die ich vorher nie sah...
Ich gehe lieber wieder, aber nie ohne Gruss
Am Mittag dann scheint die Sonne und das vielversprechendste oder das bedürftigste darf mal mit raus vor die Tür.

 

Ich sehe von Weitem, was fehlt oder was zu viel wird. Sonnenlicht - in dieser Fase mag das kein Bild. Muss aber sein.
Am Abend wird das festliche eiskalte Neonlicht angemacht. Da zischen die Farben, die Häuser bäuscheln sich, die Frauen erscheinen und sammeln Kräfte. In diesem Licht und in der Ruhe des Abends weiss ich immer am besten, was alle über die Jahre lebendig macht. Da entscheide ich über Leben und Tod auf meinen Quadratmetern. Nach Jahren oder Sekunden verdichtet sich alles. Dann sind Bildgesetze da, die unausweichlich werden wollen. Dann wird es spannend. Dann darf gedacht werden - na gut, spätestens dann, aber dann bestimmt. Ich prüfe mit allen Mitteln das Wohlbefinden der Bilder. Ich erfinde, ich beobachte, ich vergleiche. Ich.
Ich mache das. Die Bilder erwarten das von mir, und ich gebe jedem seinen Teil. Es geht nichts über ein wohlgenährtes Bild.
Dann kommen die leichteren Prüfungen: die Anprobe der Rahmen.
So manches Bild unterlag seinem Rahmen und bat um einen anderen.
Meistens geht es gut. Wir sind eingespielt.
Ist noch was zu tun, ausser dem Entscheidungsspruch: Fertig!
Signieren. Wo? Wie gross? welche Farbe, wie dick, oder gar nicht, wie es Malta passierte - da hatte ich keinen Platz und Malta weiss, dass es von mir ist. Malta und ich haben ein besonderes Verhältnis, das sich der Signatur entzieht.
Und dann, wenn dann alle zusammen da stehen, fröhlich bis über den Rand ihrer Rahmen, - dann bekommen sie ihre Preise!
Sie rufen sich Zahlen zu, ich verteile, belohne, zeichne aus, denke mir Finten aus, die nie funktionieren und immer deutlicher gehört der Preis zum Bild.
So ausgestattet gebe ich sie frei.
Und da hängen sie nun, junge Bilder, diesmal auch ein paar geliebte Veteranen dabei und jedes ist eine Liebeserklärung an die Welt.
Die Liebe selbst. Drunter mach ich's nicht.
Da können alle ganz sicher sein.

Dorothee Bachem

Dorothee Bachem, die Heimkehr des Segles

"Die Heimkehr des Seglers" 2011, Kunstharz auf Hartfaser, 31 x 22 cm

Dorothee Bachem, Frau mit Goldblumen

"Frau mit Goldblumen", 2011, Kunstharz auf Hartfaser,
30 x 24 cm

dorothee bachem,vier rosen

"vier Rosen", Kunstharz auf Hartfaser, 2003, 25 x 17 cm

dorothee bachem, frau mit blauem haus

"Frau mit blauem Haus", Kunstharz auf Hartfaser, 2006, 72 x 60 cm

dorothee bachem, disputatio prima luce

"Disputatio prima luce", Kunstharz auf Hartfaser, 2010, 30 x 24 cm

dorothee bachem, mons praeclarus

"Mons praeclarus", Kunstharz auf Hartfaser, 2010, 25 x 21 cm